Freiwillige Feuerwehr Littel


Zu großen Einsätzen mit wenig Personal

REISE Frank Kirsch lernt Arbeit der amerikanischen Feuerwehrleute kennen – 30 000 Einsätze pro Jahr

Seit zehn Tagen befinde ich mich nun in den USA und besuche dort Feuerwehren in den Staaten Nevada und Kalifornien. Über das Internet besteht bereits seit längerem Kontakt, vor allem mit der Feuerwehr in Fresno (Kalifornien).

Von Sonntag bis Montag habe ich eine Schicht auf der Feuerwache drei in Fresno aktiv begleitet. Zu Beginn gab es eine Einweisung in die amerikanischen Einsatzfahrzeuge. Die Gerätschaften weichen kaum von denen ab, wie sie die Feuerwehren in Wardenburg einsetzen. Der große Unterschied besteht darin, dass selbst große Einsätze mit deutlich weniger Personal gefahren werden. Die Fahrzeuge unterscheiden sich in der technischen Ausstattung, und es gibt auffällig viel Chrom an den Wagen. Alle Kameraden sitzen in modernen Komfortsitzen mit integrierten Atemschutzgeräten. Da es in Kalifornien sehr heiß werden kann – zurzeit 45 Grad Celsius in Fresno –, sind die Einsatzfahrzeuge voll klimatisiert. Kommuniziert wird mit Kopfhörer und Mikrofon. Sämtliche Einsatzdaten (Ziel, Einsatzart, Besonderheiten) gehen über Funk an ein Laptop, der Einsatzleiter (Captain) informiert die Helfer über ihre Aufgaben am Einsatzort. Die Einsatzorte werden zur Orientierung auf einer Landkarte auf das Laptop

übertragen, und die Position des Fahrzeugs per GPS-Sender angezeigt. So kann der Einsatzleiter dem Fahrer (Engineer) jederzeit genau anweisen, wie er zu fahren hat.

Nach der Einweisung ging es direkt an die Arbeit. Die Wache verfügt über zwei Haupteinsatzfahrzeuge: einem Truck und einer Engine. Der Truck ist eine Drehleiter, die zusätzlich über 3000 Liter Wasser verfügt und 200 Meter Schlauch an Bord hat. Der Truck rückt mit drei Mann aus: dem Einsatzleiter (Captain), dem Fahrer und Maschinisten (Engineer) und einem Feuerwehrmann (Fighter). Die Engine verfügt über 3000 Liter Wasser, 600 Meter Schlauch und wird mit vier Mann besetzt (davon zwei Feuerwehrmänner). Die Engine rückt neben der Brandbekämpfung und Hilfeleistungen auch zu medizinischen Einsätzen aus. Der Rettungsdienst wird von privaten Firmen durchgeführt. Ich war der Engine zugeteilt. Während der Schicht wurde die Wache elfmal alarmiert, davon resultierten sechs Einsätze.

Die Feuerwache drei liegt in Fresno Downtown, einem der sozial schwächeren Viertel der Stadt. Daher haben sie hier die meisten Einsätze. Insgesamt fährt die Feuerwehr Fresno jährlich 30 000 Einsätze, wovon alleine die Wache drei mehr als 3000 Einsätze ableistet. Untergebracht ist sie in einem alten Gebäude aus den 50er Jahren. Direkt über den Fahrzeugen befinden sich die Aufenthaltsräume, von denen aus es über die berühmten Rutschstangen acht Meter in die Tiefe geht. Das allein ist schon abenteuerlich.
Die Feuerwehren in den USA haben ein sehr hohes Ansehen in der Bevölkerung. Es ist schon erstaunlich, wie viele Personen den Feuerwehrkameraden in den Einsatzfahrzeugen zuwinken oder nach einem erfolgreichen Einsatz die abrückenden Kräfte mit Applaus verabschieden. Insgesamt verfügt die Stadt Fresno mit seinen etwa 550 000 Einwohnern über 22 Feuerwachen. Fresno ist eine Stadt mit zwei wirtschaftlichen Schwerpunkten – Dienstleistungen wie Banken und die Produktion der Agrarindustrie. So kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Zitronen oder Orangen in den Wardenburger Supermärkten aus der Region rund um Fresno, das nur drei Autostunden vom Pazifischen Ozean entfernt liegt.

Als Dank konnte ich den offiziellen Wappenteller der Gemeinde Wardenburg übergeben. Dieser erhält einen Ehrenplatz im Hauptsitz der Feuerwehr von Fresno. Der Kontakt wird mit Sicherheit weiterhin bestehen bleiben.